Lilly macht bei diesem Beispiel von S. 389 seiner Christian Astrology keine nähren Angaben zur Vorgeschichte bei dieser Frage, sondern beginnt gleich damit, die Fragende bzw. das Gesuchte im Chart zu identifizieren. Es geht ihm dabei darum, herauszufinden, ob das Horoskop aussagekräftig ist und die Frage möglichst genau widerspiegelt.

 

Die Fragestellerin wird vom Aszendenten in der Jungfrau und dessen Herrscher Merkur beschrieben. Lilly stellt fest, dass die Frau groß war, und einen rötlichen Hauttypus hatte, ernsthaft und diskret war und gute Umgangsformen hatte. Lilly erwähnt es hier zwar nicht, aber Merkur befindet sich in den Grenzen von Venus, was ihr wohl die guten Manieren verleiht.

Als Erstes sieht Lilly sich an, ob der Wunschmann im Fragehoroskop auch tatsächlich beschrieben ist. Er war sehr groß, schlank, hatte ein längliches Gesicht und schwarze Haar und wird vom 7. Haus und dessen Herrscher Jupiter beschrieben.

Lilly hebt hervor, dass die Grenzen in denen sich ein Signifikator befindet, immer mehr oder weniger auf sein Temperament und seine Konstitution abfärben, je nachdem, wie stark oder schwach der Grenzherrscher steht. Die dünnen Haare des Traumprinzen führt Lilly auf das Sextil von Jupiter zu Saturn zurück und auf die Tatsache, dass der Mond ein Quadrat zu Jupiter macht.

Auf S. 102 seiner Christian Astrology drückt Lilly ein ähnliches Konzept aus, in dem er schreibt, dass wenn ein Planet sich nur in seinen Grenzen befindet und sonst keine weiteren Würden besitzt, er den Körperbau und das Temperament des Grenzherrschers mit übernimmt. Gemeint ist damit wahrscheinlich, dass der Grenzherrscher die Person zusammen mit dem Signifikator beschreibt, also wir eine Mischung aus beiden Faktoren in der Beurteilung zugrunde legen müssen.

Erst nachdem er beide Protagonisten im Horoskop identifiziert hat, beginnt Lilly mit der Deutung des Fragehoroskops.

Der Signifikator der Frau, Merkur, ist rückläufig und noch unter den Sonnestrahlen, was sie als besorgt oder nervös beschreibt, dass der Mann sie vielleicht gar nicht heiraten will. Ihre Sorge war wohl auch nicht grundlos, da Jupiter in seiner Erhöhung steht und gerade ein Sextil zur Venus gemacht hat, wohl also mit einer anderen Frau geflirtet hatte.

Lilly sieht nun aber,

  • dass sich beide Signifikatoren, Merkur und Jupiter in einem Halbsextil zueinander befinden und in guten Häusern stehen
  • der Mond sich von Jupiter trennt und sein Licht auf den AC Herrscher Merkur überträgt
  • Jupiter in einem Eckhaus steht und dadurch besonders stark ist
  • dass Merkur Jupiter´s Licht durch seine rückläufige Bewegung gerne akzeptiert.

Lilly benutzt Antiszien (Antiscium) nur, wenn sie gradgenau einen Planeten bzw. Häuserspitze treffen, also erwähnt er hier nicht, dass Merkur und Jupiter sich in weniger als zwei Grad Abstand (ausgehend von seinen Ephemeriden) zu ihrer Antiscia Position befinden. Mit modernen Ephemeriden ist der Abstand nur 1°:

Da der Merkur (Fragestellerin) und Jupiter (Traumprinz) keinen direkten Aspekt miteinander bilden, geht Lilly davon aus, dass eine dritte Person, welche durch den Mond beschrieben wird, zwischen den beiden vermitteln und sie zusammen bringen wird.