boterowDie Klientin, die Lilly wegen ihrem Sohn aufgesucht hatte,(Chartanalyse hier), stellte Lilly noch eine weitere Frage, die Lilly aus derselben Grafik beantwortet, dass er bereits für die erste Frage ausgewertet hatte (Christian Astrology, S. 153).[1] Sie fragt ihn danach, ob ihr demnächst gute oder schlechte Dinge bevorstehen. [2] Diese Frage ist so ähnlich wie eine aus Lillys erstem Horoskopbeispiel auf S. 140, wo der Fragesteller wissen will, was ihm in Zukunft noch so alles bevorstand.[3]

Aber in der vorliegenden Frage geht es der Frau gar nicht darum, ihr ganzes Leben im Voraus sehen zu wollen, sondern nur darum, was sozusagen als Nächstes auf dem Programm steht. Und genau das macht dieses Horoskop so relevant: Wir würden doch alle gerne wissen, mit welchen Problemen wir demnächst rechnen müssen, oder aber einen kleinen Vorgeschmack auf ein zu erwartendes Erfolgserlebnis auskosten.

Hier ist das Fragehoroskop:

lilly-2-p-152

Um zu sehen, was als Nächstes passiert, müssen wir:

  • Den AC und den AC Herrscher ansehen und verstehen, welche Aspekte er macht/erhält. Hierdurch wird die Situation des Fragenden beschrieben.
  • Einen Blick auf den Mond werfen und sehen, auf welchen Planeten er zuläuft. Dieser Planet beschreibt die Natur des bevorstehenden Ereignisses.

Der AC steht in der Waage, weshalb Venus die Fragestellerin beschreibt. Sie ist die kleinere Wohltäterin und macht ein applikatives Trigon zum Aszendenten.

Die positive Natur des Aspekts beschreibt glückliche Umstände die Lilly’s Klientin bevorstehen. Das erste Haus beschreibt immer das allgemeine Wohlbefinden des Fragestellers. Die Präsenz von Jupiter im 1. Haus, der ebenfalls einen Aspekt von Venus erhält, verstärken diesen Eindruck noch. Etwas Schönes wird passieren. So weit, so gut. Leider ist dies eines der Horoskopbeispiele, an denen Lilly, aus Gründen auf, die ich später eingehen werde, etwas oberflächlich gearbeitet hat. Er bemerkt nur am Rande, dass mit einem positiven Event zu rechnen ist, aber er gibt keine Auskunft über das „was, wann und wo“. Für ihn endet die Beratung hier.

Versuchen wir also, die Informationslücken zu füllen.

Die Entfernung zwischen Venus auf 22°37’ und dem MC auf 25°36 ist 3°, während Jupiter sich in einem Abstand von 5° befindet. Venus ist in einem veränderlichen Zeichen, schnell in ihrer Bewegung und in einem fallenden Haus, alles Anzeichen für Geschwindigkeit. Während Eckhäuser den Fokus auf einen starken Ort legen, der gleichzeitig anzieht und zum Bleiben auffordert, stehen fallende Häuser mit „(weg-) gehen“ und „sich bewegen“ in Verbindung. In vorliegenden Fall, „geht Venus weg“ und läuft auf Jupiter im 1. Haus (fixer Ort) zu.

Lilly erwähnt den Mond in diesem Fall überhaupt nicht. Er befindet sich auf 26° Fische im 5. Haus und wird in diesem Zeichen keinen Planeten mehr aspektieren. [4] Gleichzeitig ist er aber bereits in Orb zu Saturn (weniger als 7° Abstand). Der Mond aspektiert Saturn von einem veränderlichen Zeichen (Geschwindigkeit) und Saturn steht an einer Achse. Saturn beschreibt in der Regel Verzögerungen, aber in diesem Fall bewegt er sich rückläufig auf den Mond zu, was ihr Treffen schneller ermöglicht. Beide gehen sozusagen aufeinander zu.

Wenn wir alle Informationen zusammenfassen, erhalten wir drei Zeitfaktoren:

  • Venus-AC Trigon, 3°
  • Venus-Jupiter Trigon, 5°
  • Moon Saturn Sextil, 7°

Wenn wir aus diesen drei Werten einen Mittelwert bilden, erhalten wir 5, was die Zeiteinheit zu sein scheint, mit der wir hier arbeiten müssen. Lilly’s Klientin hatte Lilly noch eine andere Frage gestellt: Sie wollte wissen, ob sie ihren Sohn zu Hause antreffen würde (siehe hier). Lilly hatte ihr gesagt, dass die Mutter ihren Sohn nach 5 Tagen treffen würde. Nun taucht dieser Zeitrahmen in ihrer zweiten Frage wieder auf.

Was wird das also für ein Geschehen sein?

Venus (Klientin) aspektiert Jupiter (Herrscher von Haus 3 und 5) mit einem Trigon. Das weist darauf hin, dass sich Mutter und Sohn nach 5 Tagen treffen werden und er positive Nachrichten (3. Haus) für sie hat .

Der Mond befindet sich im 5. Haus, noch mal ein Hinweis auf den Sohn. Er  regiert über das 9. Haus (große Entfernung), was sie selbst beschreibt, die sich auf die Reise macht, um ihren Sohn zu treffen. Außerdem regiert Saturn, der vom Mond ein Sextil erhält, über das 4. Haus (das “Zuhause”).

Das der Frau bevorstehende Geschehen ist also einfach das Treffen mit und positive Neuigkeiten von ihrem Sohn.

Ich denke, dass dieser einfache Tatbestand der Grund dafür ist, dass Lilly diese Frage etwas oberflächlich angeht: Die Frau hatte bereits eine Frage zu ihrem Sohn gestellt, Lilly hatte ihr gesagt, dass sie sich nach 5 Tagen sehen würden und diese zweite Frage bestätigte das bereits Gesagte einfach nur.

 

Im nächsten Post geht es um Geld. Lilly erläutert Regeln, mit denen man festlegen kann, ob ein Mensch zu Geld kommt oder nicht. Es wird spannend!

[1] Das ist eine durchaus übliche Methode von Stundenastrologen. Es können mehre unterschiedliche Fragen aus demselben Stundenhoroskop gedeutet werden, weil sich deren Signifikatoren, je nach Frageinhalt, ändern. Aufgrund seines grossen Ansturms, widmente Lilly jedem Klinenten nur sehr wenig Zeit, in welcher sich 2 Horoskope ( eins fuer jede Frage) kaum von einander unterschieden hätten.

[2] William Lilly, Christian Astrology, S. 152

[3] In dieser Frage ging es aber eher um das ganze Leben des Fragestellers, im Gegennsatz zur vorliegenden Situation.

[4] Viele traditionelle Astrologen bezeichen Aspekte, die erst in einem neuen Zeichen perfekt werden als „verloren“. Lilly nahm es mit dieser Regel nicht besonders genau. Wie er es in diesem Fall gesehen hat, können wir leider aus dem was er schreibt nicht ersehen. Ich persoenlich wuerde den Mond hier nicht als VOC, also aspektlos ansehen.